02.-14.08.2019

Expedition Franz-Josef-Land

Franz-Josef-Land ist – bis auf eine kleine Polarstation – unbewohnt von Menschen. Seit den Entdeckerfahrten der Polarforscher vor über 100 Jahren wurde die Inselgruppe in der russischen Arktis erst von wenigen Schiffen angelaufen. Die Reise nach Franz-Josef-Land ist daher eine echte Expedition mit einer Prise Abenteuer!

Mit dem Expeditionsschiff MV Sea Spirit bereist unsere Gruppe archaische Landschaften mit mächtigen Gletschern, Tafelbergen und Packeis. Die 191 Inseln bilden einen grossen Nationalpark, der Eisbären, Walrossen und Walen eine geschützte Heimat bietet. Die Chance auf Sichtung des «Königs der Arktis» ist daher besonders gross.

Folgen Sie hier in unserem Blog den spannenden historischen Spuren der wagemutigen Polarentdecker Payer, Jackson und Amundsen sowie unserer Expeditionsgruppe 2019.

David Schwery

Reisebegleiter und Geograf

Studierte Geografie an der Universität Fribourg und führte für den Mastertitel «Feldstudien» in Spitzbergen durch.

Erste Überraschung

Tag 1 / 02.08.2019

Nach einer guten, aber durchaus kurzen Nacht brechen wir um 11h auf, um das schöne Longyearbyen zu entdecken. Nach einem Besuch im Museum und dem traditionellen Foto vom Eisbärschild sind dann alle bereit für die Einschiffung auf die MV Sea Spirit. Während der Sicherheitsübung einige Minuten nach der Abfahrt haben einige von uns sogar das Glück, zwei Finnwale zu sichten, die zweitgrösste Walart nach dem Blauwal. Wow! Das fängt ja alles spitze an.

Von nun an wird es komplizierter euch ein paar Eindrücke mitzuteilen, da wir uns bald weit in den Norden begeben werden und somit ausser Reichweite der Satelliten sein dürften. Wir werden unser Bestes probieren und liefern die Berichte nach. Und keine Sorge, wir befinden uns auf diesem Schiff in sehr guten Händen. Also, falls ihr nichts mehr von uns hört, dann bis in zirka 10 Tagen und beste Grüsse aus dem sonnigen Longyearbyen.


Überfahrt nach Franz-Josef-Land

Tag 2 / 03.08.2019

Nun geht es durch die Barentssee Richtung Franz-Josef-Land. Eine Überfahrt geprägt durch wunderschönes Wetter und ein unglaublich ruhiges Meer, wie man es auch schön an der Reflektion des Eissturmvogels sehen kann. Nachdem wir auch bereits die ersten Eisberge gesichtet haben, wurde der Tag dann mit dem Captain’s Cocktail vollendet.


Pass vorweisen bitte

Tag 3 / 04.08.2019

Nach fast zwei Tagen Überfahrt kommen wir am Abend des 4. August im Franz-Josef-Land an und werden von eindrücklichen Gletschern begrüsst. Bevor wir allerdings die verschiedenen Inseln erkunden können, geht es zur Passkontrolle. Es kommen ebenfalls sieben russische Ranger hinzu, welche uns vor den Eisbären schützen werden. Das für das Franz-Josef-Land unglaublich gute Wetter erlaubt es uns, erste Eindrücke der Inseln in einem wunderschön gelb-goldenem Abendkleid zu geniessen.


Erste Fundstücke auf Franz-Josef-Land

Tag 4 / 05.08.2019

Am ersten Tag nach der Ankunft im russischen Archipel fand dann auch unsere erste Anlandung auf der Prinz George Insel statt, wo wir auch die ersten Gesteine und die lokale Flora entdeckt haben. Nach einer kurzen Wanderung ging es dann zurück auf das Schiff, um uns auf die erste Fahrt mit dem Zodiac vorzubereiten. Mit dem Zodiac fuhren wir anschliessend während 2 Stunden durch das Eis in der naheliegenden Bucht.


Auf den Spuren der Expedition Tegetthoff

Tag 5 / 06.08.2019

Der zweite wahre Expeditionstag brachte uns auf die Ziegler Insel, welche zwischen 1993 und 1997 für die österreichische Verfilmung der Entdeckungsexpedition ‘Tegetthoff’ von Payer und Weyprecht genutzt wurde. Wie man auf dem Bild erkennen kann, liegt noch heute ein grosser Teil der Infrastruktur auf der Insel, welche uns einen guten Eindruck in die Dreharbeiten ermöglicht. Ein anderes Highlight dieser Anlandung ist sicherlich die Begegnung mit dem russischen Eisbrecher ‘50 Years of Victory’ auf seinem Weg zum Nordpol. Gegen Ende unserer Wanderung werden wir zudem von einem eleganten Tänzchen einer Spatelraubmöwe begrüsst, welche uns von ihrem Nest wegführen will. Die Anlandung am Nachmittag ist ebenfalls historisch geprägt, da wir uns am Kap Norwegen umschauen dürfen, dem Überwinterungsplatz von Nansen und Johansen nach ihrem gescheiterten Versuch den Nordpol zu erreichen.


Tierische Geschichten und eine runde Sache

Tag 6 / 07.08.2019

Nach einem eher historisch geprägten Tag rücken heute die Tiere in den Mittelpunkt. Während unserer Fahrt mit den Zodiacs treffen wir auf zahlreiche Walrosse und zwar grösstenteils Mütter und ihre Jungen. Die bis zu 1.5 Tonnen schweren Walrosse lassen sich allerdings nicht lange stören und kehren recht schnell zu ihrem Lieblingshobby zurück – schlafen.

Am Nachmittag kommt sicherlich einer der Höhepunkte der Franz-Josef-Insel und zwar die perfekten runden Steine auf der Champ Insel, welche es auch in allen Grössen zu sehen gibt.


Heute: die nördlichste Post der Welt und unser erster Eisbär

Tag 7 / 08.08.2019

Der heutige Vormittag steht ganz im Zeichen der Vögel und zwar der zirka 40’000 brütenden Pärchen des unglaublichen ‘Rubini Rock’, welcher fast ausschliesslich aus eindrücklichen Basaltsäulen besteht. Nähert man sich diesem Felsen, kann man die Vögel nicht nur recht früh riechen, aber vor allem auch hören – ein unglaubliches Konzert. Einige dieser Vögel fanden wir dann auch auf den Eisbergen in der nahe liegenden Bucht, um sich während der Fischerei auch einmal auszuruhen.

Am Nachmittag geht es dann wieder mehr um Geschichte und zwar besuchen wir die Tichaja Station, welche von 1929 errichtet wurde und bis 1959 durchgängig betrieben wurde. 1931 besuchte auch das deutsche Luftschiff Graf Zeppelin mit einer internationalen Expeditionsgruppe die Station während ihrer Erkundung der russischen Arktis aus der Luft. Im Moment wird die Station von den russischen Ranger wieder in Stand gesetzt und, wie grosse Teile des Archipels, von Resten und Müll der Aktivitäten der Sowjetunion gereinigt. Die Zeit an Land wird ebenfalls für das Schreiben der Postkarten genutzt, da sich in dieser Station ebenfalls die nördlichste Post der Welt befindet. Sie müssen allerdings Geduld haben zuhause, da es 2 bis 3 Monate dauern könnte bis die Postkarten dann auch in der Schweiz ankommen.

Am Abend sehen wir dann endlich unseren ersten Bären – was für eine Erleichterung und Freude. Aus diesem Grund werden auch die Zodiacs im Wasser abgesenkt, um näher an den König der Arktis heranzukommen. Das sehr gesunde Männchen schaut uns gespannt an, lässt sich aber nicht weiter stören und macht sich bald schon wieder auf die Suche nach seinem Snack des Tages: Moos. Was für ein toller Moment. In den folgenden 24 Stunden werden wir weitere Bären zu sehen bekommen, auch wenn es nur sogenannte „Pixelbären“ sind.


Alternativprogramm wegen starken Böen

Tag 10 / 11.08.2019

Die Tage des schönen und windstillen Wetters, des blauen Himmels und des ruhigen Meeres sind leider vorbei und wir werden die nächsten dreieinhalb Tage an Bord des Schiffes verbringen müssen. Heute werden sogar Windböen von bis zu 75 Knoten erreicht (zirka 140 km/h) und die damit zusammenhängenden durchschnittlich vier Meter hohen Wellen schütteln unsere Sea Spirit richtiggehend durch. Aus diesem Grund werden auch die weissen Papierbeutel auf dem Schiff verteilt und der Speisesaal ist auch nicht mehr so voll wie in den vergangenen Tagen. Neben interessanten Vorträgen und Filmen finden die Gäste auch noch alternative Mittel, um diese Tage auf dem Schiff zu füllen.

Am 10. August am frühen Nachmittag verlassen wir nach erfolgreich abgeschlossener Passkontrolle dann wieder das wunderschöne Archipel und brechen nach Spitzbergen auf, da das Wetter sich nicht bessern will. Wir hoffen nun auf schönere Tage….

Unser Wunsch geht bereits einen Tag später in Erfüllung als der Himmel blau und das Meer ruhiger wird. Mit dem schönen Wetter kommen ebenfalls die Wale. Gegen Mittag sichten wir gleich drei verschiedene Walarten: Buckelwale, Zwergwale und Finnwale. Wir haben sogar Glück, einen jungen Buckelwal mit seiner Mutter zu sichten. Was für eine tolle Überraschung nach drei stürmischen Tagen.


Tierische Begegnungen in Spitzbergen

Tag 11 / 12.08.2019

Nach einem kurzen Zwischenstopp in Longyearbyen, um das Expeditionsteam mit dem nötigen Material für die nächsten zwei Tage auszurüsten, nahm unser Kapitän Kurs auf Alkfjellet. Alkfjellet erwartet uns mit Sonnenschein, blauem Himmel und erwarteten tierischen Begegnungen. Kurz nach der Anlandung begrüssen uns zwei sehr neugierige Polarfüchse, welche uns ebenso interessant fanden wie wir sie. Nur wenige Schritte weiter treffen wir auf Rentiere, die sich von uns nicht aus der Ruhe bringen lassen. Nach stürmischen Tagen auf dem Schiff ist dies eine mehr als willkommene Abwechslung und lässt unsere Herzen höher schlagen. Wir hoffen nun auf einen gleichermassen interessanten letzten Expeditionstag auf Spitzbergen.


Ein mehr als gelungener Abschluss

Tag 12 / 13.08.2019

An unserem letzter Expeditionstag sind zwei Anlandungen geplant und die Sonne begleitet uns an diesem wundervollen Tag. Am Morgen geht es zur Skansbukta, wo wir die faszinierende Geologie von Spitzbergen, die Überreste der Minenaktivitäten des Archipels und vor allem die wundervollen Papageientaucher (Puffins) entdecken dürfen. Es geht dann zurück auf das Schiff, um einmal mehr prächtig zu essen und um sich ebenfalls auf die letzte Anlandung am Nachmittag vorzubereiten.

Dieses Mal heisst das Ziel Flintholmen, welches sich im Isfjorden befindet. Neben den prächtigen Bergen rundherum, gibt es hier auch einen wunderschönen Wasserfall und wiederum Rentiere und Füchse zu sehen. Wir geniessen das unglaublich schöne Wetter und den blauen Himmel und profitieren von jeder der letzten Minute unserer mehr als gelungenen Expedition in der Arktis. Nach der traditionellen Diashow, dem Abschlusscocktail mit unserem Kapitän und einem köstlichen Abendessen wird dann noch gepackt und alles für die Ausschiffung vorbereitet.

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