Island

Schafe zählen

Jeden Herbst bringen die Isländer ihre Schäfchen ins Trockene – beziehungsweise ins Warme. Denn noch bevor sich eine Schneedecke über die Insel legt und die Winterwinde aufziehen, sollen die Tiere die Wiesen verlassen. Am traditionellen Réttir werden Tausende Schafe zusammengetrieben – mit Pferden, Hunden und immer häufiger auf Quads. Kritiker sehen die Quads nicht so gerne: Sie befürchten ein zu stressvolles Treiben für die Tiere. Denn Mensch und Pferd ermüden mit der Zeit, Quads hingegen nicht.

Der Réttir ist einer der ältesten und wichtigsten Bräuche in Island. Viele aus den umliegenden Gemeinden nehmen daran teil: Jede Hilfe ist gefragt. Alleine könnte ein Bauer den Schafabtrieb von den weitläufigen Hügeln niemals bewältigen. Unten im Tal kommen die Schafe in einen Sammelpferch. Hier werden die gekennzeichneten Tiere nach Besitzer und Hof sortiert – erst dann dürfen sie nach Hause.

Eine so komplexe Aktion im Hochland braucht eine gute Organisation: Oberhaupt des Réttir ist der Bergkönig. Er behält selbst im hektischsten Treiben den Überblick, teilt die Leute ein und sucht die Schaftreiber sorgfältig aus. Denn wer Schafe aufspüren will, muss sich hervorragend auskennen sowie das tückische Wetter Islands einschätzen können.

Obwohl es nach dem Réttir noch eine Kontrollsuche gibt, kann es vorkommen, dass einige Schafe im weitläufigen Gelände vergessen gehen. Meist treibt der erste Schnee die Nachzügler in den heimischen Stall.

Ist der Winter vorbei, der Frost verzogen und der Schnee geschmolzen, laden die Bauern im Juni ihre Schafe mit den Jungtieren wieder auf den Traktor. Zusammen fahren sie auf die wilden Weiden, wo die Schafe im Sommer für rund zwei Monate völlig frei leben und fressen. Auf ihrem Speiseplan stehen wilde Kräuter und ganz viel Gras – bis der nächste Réttir kommt.

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