NORWEGEN

«Nord-Norge» – Das tanzende Himmelsspektakel erleben

Die «Kulisse Natur» hat in Nordnorwegen nicht nur im Sommer viel zu bieten: Auch in der Wintersaison ist dieser Landesteil mit den Nordlichtern, den markanten Bergen und der idyllischen Landschaft ein beliebtes Reiseziel.

Schroffe Berge mit markanten Gipfeln, hübsche Fischerdörfer, die weite Tundra, raue Inselgruppen, tanzende Lichter am Nachthimmel, eine schöne Küstenlinie und viel unberührte Natur: Das sind nur einige Eckpunkte, die es Jahr für Jahr schaffen, Touristen nach Nordnorwegen zu locken. Die Region ist am wenigsten dicht besiedelt, aber flächenmässig das grösste Gebiet des norwegischen Festlandes. Knapp eine halbe Million Menschen leben in «NordNorge», wie die Region auf Norwegisch heisst.

Die raue Inselgruppe der Lofoten ist eine populäre Sommerdestination, hat aber auch in der Wintersaison einiges zu bieten. Dann, wenn Schnee auf den zackigen Berggipfeln und auf den Dächern der Rorbuer, den traditionellen Fischerhütten liegt. Die Polarnacht dauert hier rund einen Monat. In dieser Zeitspanne schafft es die Sonne nicht über den Horizont hinaus. Stockdunkel ist es dennoch nicht: Bedingt durch das Meer und den Schnee wird das Licht reflektiert und erscheint nach der Mittagszeit dunkelblau. In der zweiten Januarwoche kommt die Sonne zurück.

«Meer und Schnee reflektieren das Licht – so erscheint es nach dem Mittag dunkelblau.»

Mit welchen Aktivitäten die Lofoten im Winter auftrumpfen können, erklärt Caroline Hömke. Sie arbeitet in der Tourismusinformation in Svolvær – dem Hauptort der Lofoten. Im Winter sei es vor allem das Nordlicht, das die Menschen auf die Lofoten ziehe, sagt sie. «Aber auch die Kombination von Bergen, Schnee und Meer.» Auf den Lofoten ist es möglich, mit den Skiern auf eine Bergtour zu gehen und mit der Aussicht auf das Meer wieder zu Tal zu fahren. Es hört sich vielleicht seltsam an: Gäste können am selben Tag auf den Skiern und auf dem Surfbrett stehen; der warme Golfstrom verhilft der Inselgruppe zu einem vergleichsweise milden Winter.

Die Lofoten sind auch für ihren Stockfisch bekannt. Von Januar bis April fahren die Fischer mit ihren Booten auf das Meer, um Kabeljau zu fangen. Was nicht verkauft wird, wird weiterverarbeitet und an ein sogenanntes «fiskehjell» gehängt. Die Trockengerüste aus Holz sind überall auf der Inselgruppe zu sehen. Bis zu acht Wochen bleibt der Fisch hängen und trocknet an der Sonne und salzigen Luft – eine lange Tradition.

«Es ist sehr entspannt hier»

Ortswechsel: Tromsø, weiter nördlich. Zweimal am Tag kündigt sich die Postschifflinie Hurtigruten am Tor zum Eismeer mit ihrem Horn lautstark an. Die Gäste werden bei der Einfahrt in den Hafen von der markanten Eismeerkathedrale begrüsst. Manche sagen, die 1965 erbaute Kirche sehe aus wie eine Eisscholle, andere sehen Ähnlichkeiten mit einem «fiskehjell». Hier in Tromsø haben sich die Schweizer Anita Mendes und ihr Mann Michael Zeltner vor fast zwei Jahren niedergelassen. Ursprünglich aus Solothurn, zog es die beiden nach Nordnorwegen. Sie arbeitet in einer Bäckerei und als Guide bei einem Anbieter für Nordlicht-Touren. Er ist als Fahrer tätig.

Anita hat einen portugiesischen Vater – das Südländische ist also in ihren Genen. Dennoch zog es sie in den hohen Norden. «Ich bin wohl die Portugiesin, die am wenigsten typisch ist», sagt sie und lacht. Mendes und ihr Mann waren mit dem Wohnmobil mehrmals in Norwegen in den Ferien. Auf ihrer ersten Reise besuchten sie Tromsø – und verliebten sich sofort in die Stadt: Die Dichte an Cafés und Restaurants sei hoch, die Menschen seien offen, freundlich und hilfsbereit. «Es ist sehr entspannt hier.» Als sich der Gedanke des Auswanderns gefestigt hatte, haben sich beide in Nordnorwegen beworben – und eine Arbeit in Tromsø erhalten. Trotz ihrer südländischen Wurzeln bekundet Mendes keine Probleme im Winter. Sie lacht und sagt: «Ich bin total verliebt in die Polarnacht. » Das Vorurteil, dass es in dieser Zeit nur dunkel ist, höre sie oft. Sie könne das nicht unterschreiben. So nennt es die Auswanderin «die blaue Phase», wenn das Licht von Schnee und Meer reflektiert wird. Dieses Licht reicht aus, um etwas zu unternehmen. Und es ist die Zeit, in der die Stimmung speziell sei: «Es liegt ein Hauch von Abenteuer in der Luft.» Die Gäste seien nicht hier, um sich zu erholen, sondern um etwas zu erleben, sagt sie.

«Es gibt viel zu entdecken»

Tromsø ist nicht umsonst ein «Hotspot» für Nordlichter. In dieser Gegend kann man das Naturschauspiel besonders gut beobachten. Dafür braucht es einfach die richtigen Bedingungen (siehe Interview mit Christoph Siegrist).

Beliebt ist Tromsø nicht nur wegen der Nordlichter: Abenteuerlustige gehen auf eine Schneemobilsafari. Wie wäre es mit einer Huskyschlittenfahrt? Oder mit einem Ausflug zur Rentierfarm, wo die Kultur der Sami, der Ureinwohner Lapplands, erlebt werden kann? Die Stadt selber hat ebenfalls einiges zu bieten. Holzhäuser in diversen Farben reihen sich aneinander und versprühen ihren Charme. Zudem stehen zahlreiche Museen zur Polargeschichte zur Auswahl.

Auch Mendes hat mehrere Tipps – zum Beispiel einen Ausflug auf Kvaløya. Die Natur dort sei wunderschön, sagt sie. Und von November bis Ende Januar sind auf der Insel Schwert- und Buckelwale zu sehen. Eine Seilbahnfahrt auf den Hausberg «Storsteinen» lohnt sich wegen der atemberaubenden Aussicht auf Tromsø ebenfalls.

Anita Mendes legt Tromsø jedem ans Herz – besonders im Winter. «In dieser Jahreszeit kommst du her, wenn du etwas anderes haben willst.» Nicht umsonst heisse das Lebensgefühl: «Schlafen kannst du im Süden.»

 


SRF-Meteorologe Christoph Siegrist hat eine besondere Leidenschaft: Nordlichter. Mittlerweile kann er gar nicht mehr zählen, wie oft er in Nordnorwegen war, um das Spektakel zu beobachten. Und weil er der Sache gern auf den Grund geht, hat er den Kontiki-Nordlichtalarm erfunden.

«Ich habe heute noch Hühnerhaut»

Christoph Siegrist, woher kommt Ihre Faszination für Nordlichter?

Nordlichter kann man nicht zu 100 Prozent erklären. Physikalisch natürlich schon, doch auch da sind zahlreiche Sachen noch nicht so klar. Und sie sehen jedes Mal anders aus. Die Formen sind faszinierend und immer wieder neu.

Wie lange begleitet Sie diese Leidenschaft bereits?

Seit 1998.

Das wissen Sie noch so genau?

Als Student war ich damals in Nordnorwegen im Bus unterwegs und dachte nicht an Nordlichter. Ich döste vor mich hin, schaute hinaus und da war ein bisschen Grün am Himmel. Was ist das – fragte ich mich und dann kam der Gedanke an die Nordlichter. Da hat es mich gepackt. Ich habe noch heute Hühnerhaut, wenn ich Nordlichter sehe. Es ist etwas Unglaubliches. Ich werde immer noch nervös und muss mich zuerst beruhigen, bevor ich sie fotografiere.

Wie würden Sie jemanden Nordlichter erklären, der dieses Naturschauspiel noch nie gesehen hat?

Das ist schwierig. Man muss die Nordlichter selber gesehen haben (lacht). Sie sind wie ein Schleier, der sich im Wind bewegt. Das kommt den Nordlichtern wohl am nächsten. Aber das trifft es nicht ganz. Ab und zu sieht man Strahlen darin.

Wie entstehen Nordlichter überhaupt?

Der Ursprung liegt in der Sonne. Elektrisch geladene Teilchen werden von ihr wegkatapultiert. Treffen diese auf die Erdatmosphäre, fangen Sauerstoff und Stickstoff zu leuchten an.

Welche Voraussetzungen braucht es für Nordlichter?

Das Erdmagnetfeld fängt die geladenen Teilchen ein und lenkt sie in Richtung der Polregionen. Deshalb gibt es das Nordlicht nur am Süd- und Nordpol. Und man sieht es nur im Winter. Im Prinzip existieren Nordlichter das ganze Jahr über, sehen kann man sie aber nur im Dunkeln. Das Nordlicht leuchtet 100'000 Mal schwächer als der Vollmond. Es ist kein starkes Licht und hat daher keine Chance gegen das Sonnenlicht. Der Sonnenwind muss stark genug sein und das Erdmagnetfeld muss die Teilchen auch noch einfangen. Es müssen also einige Bedingungen zusammenkommen.

Welche Wetterbedingungen sind ideal?

Der Himmel muss klar sein, weil sich die Nordlichter oberhalb der Wolkenschicht befinden.

Welche Monate sind ratsam, um Nordlichter zu sehen?

Herbst, sowie Anfang und Ende Winter. Konkret: Oktober bis Mitte November und Mitte Februar bis März.

 

 


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