SCHWEDISCH-LAPPLAND

Sieben Tage im Robinsonland

Das Internet vermissen? Keine Sekunde. Wandern? Ja, gerne. Im schwedischen Värmland lernen die Eltern ihre beiden Söhne von einer neuen Seite kennen. Gemeinsam erforschen sie die geheimnisvolle Natur, bestehen den Familientest auf der Kanufahrt, lassen sich auf dem Floss treiben und fühlen sich wie Robinson.

David Coulin

David Coulin ist als Bergbuchautor und Tourenleiter vor allem in den Schweizer Alpen unterwegs, liebt es aber auch, andere Gebiete neu zu erkunden.

 «Der schwedische Kaffee mag zwar dünn und bitter sein, dafür ist bei uns WiFi inbegriffen.» – Dieser Bescheid im erst besten Stockholmer Restaurant erhellt die Mienen - unserer Kinder Elias und Serafin entschieden mehr als die von uns Eltern. Nur: Dreihundert Kilometer weiter westwärts, in unserem Ferien-Zuhause in der Region Värmland nahe der norwegischen Grenze, da schmeckt der Kaffee auch schwedisch, aber es gibt kein WiFi. «Das haben wir vor zwei Jahren abgestellt», sagen Erik und Vanessa, auf deren Land sitz wir zu Gast sind. Elias und Serafin vermissen es - keine Sekunde. Denn es gibt da Bälle und Uni hockeygoals, ein Trampolin und Basketballhand - - schuhe – und vor allem andere Kinder, die auch mit ihren Eltern da sind um Spass zu haben und Abenteuer zu erleben.

So durchstreifen wir gemeinsam mit einer anderen Familie die schwedischen Wälder. Wir lassen uns auf dem bemoosten Waldboden nieder; pflücken Heidelbeeren, bergen Eierschwämme, erkunden das morsche und vermooste Unterholz. Es wundert uns nicht, dass die berühmte Autorin Selma Lagerlöf – auch sie eine echte Värmländerin – ihren Nils Holgersson Schweden aus der Zwergenperspektive hat entdecken lassen. Da soll es schliesslich neben Elchen, Wölfen und Bären auch Feen geben.

Zwar sehen wir weder Feen noch Wölfe, Bären oder Elche. Dafür baden wir in einigen der über 10 000 warmseichten Seelein von Värmland. Wir lassen uns auf Flossen den tiefkalten Fluss Klarälven hinuntertreiben bis zu einer kleinen Insel, auf der zwischen Bäumen Zelte verborgen sind. Erik be kocht uns über dem offenen Feuer mit Kartoffeln - und Wursträdchen und Gemüse, die Kinder spielen mit Stecken und fühlen sich wie Robinson.

Am vierten Tag folgt dann der Charaktertest für unsere Familie: Schaffen wir es, so zu paddeln, damit sich unser Kanu geradeaus bewegt? Um ehrlich zu sein müssen wir schon ein bisschen üben, bis Kommunikation und Koordination klappen. Dann aber rudern unsere Jungs nicht mehr Zickzack, sondern Zackzack, und wir haben unseren Spass daran.

Es gibt noch mehr unvergessliche Erlebnisse: Velofahren, und schwedisch essen mit süss-saurem Beigeschmack (eine kulinarische Eigenheit, die gemäss Erik der Freundschaft des schwedischen mit dem thailändischen Königshaus zuzuschreiben ist). Nachts schlafen wir wie die Bären in unserer heimeligen Lodge im umgebauten Stallgebäude. Vor allem aber saugen wir sieben Tage lang die oft menschenleere Natur Mittelschwedens in uns auf.

Nun sind wir zurück in der Schweiz, die Woche im Robinsonland ist Vergangenheit. Was blieb hängen? «Ich habe alle Muskeln trainiert», sagt Elias. «Das draisinenartige Gefährt auf dem Hof war super, ob wohl ich damit in den Strassengraben gefallen bin», - meint Serafin. «Mir gefielen die vielen Kontakte und die Helligkeit bis tief in die Nacht», sagt meine Frau Barbara. Und ich erinnere mich immer wieder an die goldgelben Kiesbänke.»


Persönlich...

David und Barbara Coulin-Gisler aus Weggis LU verbringen mit ihren Kindern Elias (11) und Serafin (9) ihre Ferien vor allem in den Schweizer Bergen. Je älter die Kinder jedoch werden, desto mehr nimmt die Lust der Familie zu, Neues und Anderes zu entdecken. Wohin die Reise auch geht: Badehosen sind immer dabei.


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