Reisetagebuch

Das Glück der Dunkelheit

Ein abenteuerlicher Nachtspaziergang nachmittags um fünf, drei Stunden im gemütlichen Badehaus von Sommarøy, ein schüchternes Nordlicht, ein freundlicher Buckelwal und die besten Waffeln des Landes: Wie Familie Rhomberg-Albrecht ihr Glück ausgerechnet in der dunkelsten Zeit des Jahres in Nordnorwegen fand und dabei zur Ruhe kam.

Worauf haben wir uns bloss eingelassen? Zur dunkelsten Zeit nach Norwegen zu reisen, nur um bei der Landung mit Regenböen empfangen zu werden? Der Boden eisig, der Weg zum Hotel auf Sommarøy so weit und über schmale, unbeleuchtete Strassen? Zum Glück sind wir alle vier Kämpfer, dachten wir uns. Und ausserdem leuchtet die Kerze im Dunkeln umso heimeliger. Zurück in der Schweiz leuchten unsere Augen mit unseren Bildern um die Wette, wenn wir von unseren Abenteuern in der Polarnacht berichten. Von der spiegelglatten See in der Bucht von Skjervøy, dem vielgepriesenen rosa Licht, den majestätischen Brustflossen eines Buckelwals, der uns direkt neben dem Boot zuzuwinken schien, dem Wasservorhang, der von der Schwanzflosse der Meeressäuger herunterströmte, bevor sie sich in die Tiefe verabschiedeten.

Christine Rhomberg

Head of Marketing

Der Winter hat es der Schweiz-Österreicherin Christine, ihrem Mann Oliver und ihren Kindern Constantin und Lilly besonders angetan – ob in der Schweiz oder im hohen Norden. Bei Christine kommt die Faszination für alles Visuelle dazu. Kein Wunder, fühlt sie sich seit über fünf Jahren als Marketingleiterin von Kontiki daheim.

Das Glück war uns die ganze Woche lang hold, wie sonst hätte es sein können, dass wir mit dreimal fünf glücklichen Hunden vor den Schlitten im Schneesturm über den weissen See jagten? Hochzufrieden und mit roten Backen freuten wir uns auf einen langen warmen dunklen Nachmittag daheim bei Uno und Mikado. Und zum Glück haben wir Sam den Sami getroffen, der für uns die Rentierschlitten bunt schmückte. Und seine Cousine Annele, die uns erklärte, dass man den Kopf beim Rentierfüttern weit zurück halten sollte, damit man den Tieren und ihren Geweihen nicht zu nahe käme. Ausserdem hat uns Sam so einiges über das Leben der Sami heute und früher erzählt und die Kinder beschlossen, auch Bommel auf ihre Schuhe zu drapieren und diese nach aussen zu richten, sobald sie bereit für die Brautschau sind.

Was wir nicht ahnten: Dass uns die Dunkelheit ans Herz wachsen sollte. Aber genau das ist passiert. An einem heissen, hellen Tag hätten wir die unvergleichlichen Kanelboller vom Smørtorget in Tromsø wohl nicht probiert. Wir wären niemals abenteuerlustig um fünf Uhr nachmittags zu einem Nachtspaziergang aufgebrochen, hätten uns nicht drei Stunden im gemütlichsten Badehaus von Sommarøy in Sauna und Whirlpool gesetzt, uns im Meer im Schutz der Dunkelheit abgekühlt, um die acht Eisfüsse schnell wieder ins wohlig warme Wasser zu strecken.

«Die Dunkelheit weckte unsere Abenteuerlust.»

Auch das schüchterne Nordlicht am Leirstrandveien 1414 wäre uns bei Tageslicht wohl entgangen, genau wie die besten Waffeln Norwegens mit selbergemachter Bringebærsyltetøy (Himbeer-Comfi), Sauercrème und Brunost (brauner Karamellkäse). Wie die Gastgeberin im Café Profil Glassdesign uns sehr glaubhaft versicherte, kämen sogar Besucher aus Tromsø, um hier Waffeln zu essen. In der Dunkelheit muss man gar nichts – und genau das weckt die Abenteuerlust. Die Dunkelheit ist zudem auch Selbstzweck. Wir wären als Familie wohl niemals dermassen schnell und tiefenentspannt zur Ruhe gekommen. Und doch haben wir so viel erlebt. Wir schmieden deshalb bereits Pläne für die kommende Polarnacht.

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