Schweden

Mein Schwedensommer

Für Kontiki-Partner Andrea Ullius ist Schweden längst zur zweiten Heimat geworden. In seinem Blog «Schwedenhappen» führt er sein Publikum zu den schönsten Orten im Königreich – für das Nordland-Magazin hat er seine sechs besten Schwedenerlebnisse festgehalten.

Andrea Ullius

Blogger

Gastautor Andrea Ullius kennt Schweden von seinen unzähligen ausgedehnten Reisen. Über die lauschigsten Plätzchen, das bequemste Hotelbett oder die schönste Aussicht informiert der Partner von Kontiki regelmässig auf seinem Blog www.schwedenhappen.ch.


Fjäll von Arvidsjaur: Packrafting

Das flexibelste Abenteuer

Als ich Packrafting entdeckte, war ich auf Anhieb begeistert. Hier hat man ein aufblasbares Kajak dabei und kann Wandern und Wassergondeln perfekt kombinieren – ohne ein schweres Gefährt schleppen zu müssen. Trotzdem hegte ich Bedenken: Würde das Kajak nicht zu unstabil und zu schwer sein und meine Puste ungenügend? Doch dann, was für eine Freude: Das Packraft entpuppte sich als extrem stabil, gerade mal drei Kilogramm leicht und war mit der Luftsacktechnik in nur fünf Minuten startklar. An Land packte ich es einfach in den Rucksack, die Paddel liessen sich mühelos zusammenstecken. So verbrachte ich einen grossartigen Tag im Fjäll von Arvidsjaur. Entspannt schlenderte ich durch die schönsten Landschaften und liess mich durch die stillen Flüsse treiben. Und am Ufer eines Sees entdeckte ich sogar Elche.


Norråker: sofort mittendrin

Die familiärste Gemeinde

Norråker ist ein kleines unscheinbares Dorf in der Region Jämtland irgendwo im «Gjätt». Dreh- und Angelpunkt ist Norråkers Handel, der Laden von Ida und Johannes Coleen. Hier kauft man ein, bucht Tourismusangebote und bestellt Schnaps. Ich verbrachte ungefähr eine halbe Stunde in der Kaffee-Ecke und kannte danach das halbe Dorf. Die Einheimischen wollten alles über meine Arbeit und meine Reisen wissen, und die zahlreichen «Schwätzchen» führten zu einer Einladung zu «Elchgulasch», einer Wanderung in den nahen Wäldern inklusive Grillplausch sowie der Erkenntnis, wer mit wem verwandt, bekannt oder liiert ist. Prompt habe ich vergessen, den Schlüssel meiner Unterkunft zurückzugeben, und musste drei Tage später nochmals nach Norråker, wo ich im Laden freudig mit den Worten begrüsst wurde: «Bleibst du jetzt hier?»


Gotland: das andere Schweden

Der verblüffendste Kontrast

Ich habe schon viel von Schweden gesehen, aber Gotland war etwas komplett Neues. Bei meinem ersten Besuch auf der «Mittelalter-Insel » kam ich aus dem Staunen nicht mehr heraus: Wow, diese Mischung aus Kargheit und plötzlicher üppiger Vegetation. Imposant diese Skulpturen und Felsformationen aus Kalkstein, ausgewaschen und geformt vom Meer in Hunderten von Jahren. Beeindruckend die Gotlandschafe, wie sie noch wie früher auf offenen Feldern grasen und die meiste Zeit unter freiem Himmel leben. Allein die mittelalterliche Hansestadt Visby war den Besuch auf Gotland wert. Als ich auf der Insel ankam, fand gerade die Mittelalterwoche statt. In den Steingassen begegneten mir Ritter und Burgfräulein, und auf dem Markt wurde verhandelt wie im Mittelalter. Ich war drei Tage auf Gotland, es hätten gut und gerne zehn sein können.


Åmot: Ein Dorf blüht auf

Die schönste Stille

Vor einiger Zeit habe ich zwei Belgier im Dörfchen Åmot (Gemeinde Ockelbo) kennengelernt. Jeroen und Sam haben eine ganze Gemeinde für nachhaltigen Tourismus gewinnen können. Åmot war eigentlich zum Sterben verdammt, doch nun lebt die Gemeinde als Ferienoase mit Häuschen und Hotel wieder auf: Das ist für mich Nachhaltigkeit. Besonders beeindruckt mich, wie Jeroen und Sam ihre ökologischen Grundsätze gemeinsam mit dem Dorf umsetzen, den Einheimischen damit neue Perspektiven geben und gleichzeitig den Gästen unvergessliche Erlebnisse bieten – zum Beispiel mit einer schwimmenden Sauna oder beim Fischen. Es war faszinierend, gemeinsam mit Jeroen den Wald zu erkunden. Und dann diese Stille! Schon fast gespenstisch mutete sie an. Soeben hat mir Jeroen erzählt, dass er eine Dame im Dorf gefunden habe, die für das Hotel einen Gemüsegarten in Betrieb nimmt. Und im Winter wird in Åmot eine 30 Kilometer lange Langlaufloipe präpariert. Ich merke: Ich muss da bald wieder hin!


Göta-Kanal: in Zeitlupe geniessen

Die gemütlichste Kreuzfahrt

Wer Luxusdampfer mit Shoppingmeile und Luxus-Spa will, ist auf den historischen Schiffen, die zwischen Göteborg und Stockholm verkehren, komplett falsch. Eine Fahrt auf dem Göta-Kanal empfand ich nämlich als die perfekte Leichtigkeit des Seins. Alles geht langsam, zum Teil in Zeitlupe – vor allem dann, wenn die Schleusentreppen von Berg erklommen werden. Was für ein Genuss, stundenlang auf Deck bei einem Bierchen oder Prosecco zu sitzen und die Landschaft vorbeiziehen zu sehen. Die Kojen sind zwar eng und erinnerten mich eher an den Militärdienst als an ein Hotel, dafür bieten sie das nostalgische Flair früherer Reisen. Zum Ausgleich für das eher spartanische Nachtlager tischte die grossartige Crew leckere schwedische Gerichte auf.


Braås: herzerwärmender Midsommar

Die grössten Gefühle

Lange habe ich die Schwärmereien für Midsommar nicht verstanden, bis ich in Braås zum ersten Mal dieses Fest miterleben durfte. Es wurde mir richtig warm ums Herz, als der Majstang aufgestellt wurde, die Mädchen wunderbare Blumenkränze trugen, alle um den Maibaum tanzten und «Små grodorna» sangen. Alles wirkte so ungezwungen und familiär. Neben mir sass Åke mit seiner Familie. Nachdenklich sagte er zu mir: «Weisst du, jetzt werden die Tage wieder kürzer, und der dunkle Winter rückt langsam, aber sicher näher.» Dann wurde es Zeit für ein grossartiges Smörgasbord mit Lachs, Hering, frischen Kartoffeln und den ersten heimischen Erdbeeren. Und schliesslich reichte man mir den einen oder anderen Nubbe (Schnaps). Was für ein Fest!


Zum Schluss noch dies:

Smögenbryggan ist wahrscheinlich einer der schönsten Orte in Schweden. Bin ich einmal dort, will ich nicht mehr weg!

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