Hurtigrute

Der Wettbewerb bietet neue Chancen

Auf der legendären Postschifflinie «Hurtigrute» bietet Havila neben der Reederei «Hurtigruten» als zweite Reederei Seereisen an. Die Kontiki-Spezialisten Annina Ith und Andreas Minder erklären, was sich ändern wird und wie Kontiki darauf reagiert, wo die Vorteile liegen und worauf sich Abenteuerlustige besonders freuen können.

Die Hurtigruten-Reederei war die Königin an der norwegischen Westküste, nun kreuzt sie die Schiffe der Reederei Havila.Wie ist es dazu gekommen?

Annina Ith: Der norwegische Staat hat im Bereich des öffentlichen Verkehrs eine umfassende Privatisierung gestartet. Sie betrifft auch die Hurtigrute, denn sie ist ein wichtiger Bestandteil des öffentlichen Verkehrs, vor allem in Nordnorwegen. Die Hurtigruten AS verliert ihr Monopol und muss sich die Fahrten mit der Reederei Havila teilen. Konkret heisst das: Es werden zwar nach wie vor jeden Tag Schiffe in Bergen und Kirkenes ablegen und auch dieselben Häfen anlaufen wie bisher, doch ab 2022 sind das an vier von sieben Tagen Havila-Schiffe.

Veröffentlicht: 2021

Christian Ruch

Historiker und Journalist

Christian Ruch ist ein grosser Norwegen-Fan und war dort schon 15 Mal. Mit Franziska Hidber schrieb er den Nordkap-Sarganserland-Krimi „Venner“ (Driftwood Verlag, Chur).

«Die Hurtigruten AS verliert ihr Monopol.»

Was heisst das für Kontiki?

Annina Ith: Für uns ist es ein spannender Prozess. Wir wollen unseren Gästen weiterhin flexible Reisedaten bieten und werden deshalb sowohl Hurtigruten als auch Havila im Programm haben. Havila ist nicht irgendeine ausländische Reederei, sondern ein renommiertes norwegisches Unternehmen. Wir sind überzeugt, unseren Kundinnen und Kunden auch auf den Havila-Schiffen einen sehr guten Service garantieren zu können.

Andreas Minder: Die Havila-Schiffe sehen natürlich anders aus als die von Hurtigruten. Aber auch bei Hurtigruten sind die Schiffe ganz unterschiedlich. Für die Kundinnen und Kunden wird es also keine grossen Änderungen geben. Auf unserer Webseite ist ersichtlich, welches Schiff wann in Bergen bzw. Kirkenes ablegt.

Annina Ith: Wir glauben, dass im neuen Wettbewerb auch Chancen liegen, von denen die Kundinnen und Kunden profitieren dürften.

«Wir wollen den Kundinnen und Kunden weiterhin flexible Reisedaten anbieten.»

Auf welche Veränderungen würde Kontiki lieber verzichten?

Annina Ith: Da Hurtigruten die Schiffe umbauen und mit einem umweltfreundlicheren Motor ausstatten wird, verschwindet der Platz für den Autotransport. Auch Havila wird nur sehr wenige Stellplätze für Autos haben. Das heisst, die Mietwagen-Rundreisen mit Autoverlad fallen für gewisse Passagen auf der Hurtigrute weg.

Wie reagiert Kontiki darauf?

Annina Ith: Jede Veränderung bietet auch Chancen. Wir schaffen dafür eine neue Busverbindung vom nordfinnischen Kittilä, wo der Kontiki-Direktflug aus Zürich landet, nach Svolvær auf den Lofoten und nach Kirkenes, dem nordischen Wendepunkt der Schiffe. Das heisst, wir können noch die gleichen Routen anbieten, nur eben nicht mehr mit einem Mietwagen.

Andreas Minder: Man kann natürlich immer noch mit dem Mietauto reisen – man kann es nur nicht mehr auf alle Schiffe mitnehmen. Als Alternative gibt man das Mietauto vor dem Einschiffen einfach ab.

Annina Ith

«Die klassische Hurtigrute bietet das echte Norwegische Lebensgefühl.»

Wenn Hurtigruten einen Teil der Fahrten an den Konkurrenten Havila abtritt – was geschieht dann mit den Schiffen, die «übrig» bleiben?

Andreas Minder: Zwei Schiffe werden umgebaut und für die neuen Expeditionsreisen entlang der norwegischen Küste eingesetzt. Sie haben ein grosses Wissenschaftszentrum und ein Expeditionsteam an Bord, wie das jetzt schon bei den Expeditionsreisen nach Spitzbergen und Grönland der Fall ist. Und die MS «Lofoten» hat das Pensionsalter erreicht.

Andreas Minder

«Expeditionsschiffe sind viel flexibler.»

Was ist der Unterschied zur klassischen Hurtigrute?

Andreas Minder: Die klassische Hurtigrute bedient nach einem fixen Fahrplan 34 Häfen, in denen auch Fracht ein- und ausgeladen wird. Die Schiffe der Expeditionsreisen werden andere Häfen anlaufen. Insofern sind die Expeditionsreisen auch und gerade dann interessant, wenn man schon mehrmals die klassische Hurtigrute erlebt hat.

Welche anderen Häfen sind das?

Andreas Minder: Beispielsweise das für seine Felszeichnungen bekannte Alta. Weitere Ziele der Expeditionsschiffe sind unter anderem das berühmte Lofoten-Dorf Reine oder das idyllische Fjærland am Sognefjord.

«Die Schiffe der Expeditionsreisen werden andere Häfen anlaufen»

Wo starten die Expeditionsreisen?

Andreas Minder: In Hamburg und im englischen Dover. Für uns ist natürlich die Tour ab Hamburg mit der klimafreundlichen Anreise per Bahn besonders interessant. Die Expeditionsreise ab Hamburg wird ganzjährig angeboten, dauert 15 Tage und führt bis nach Honningsvåg am Nordkap. Teilstrecken zu buchen, ist im Gegensatz zur klassischen Hurtigrute-Strecke auf den Expeditionsschiffen nicht möglich, man kehrt also immer nach Hamburg oder Dover zurück.

Annina Ith: Ich freue mich auf dieses neue Angebot, auch wenn man mit ihm nicht mehr in die östliche Finnmark und nach Kirkenes an der russischen Grenze kommt. Aber dafür gibt es ja immer noch das traditionelle Kursschiff. Die Aufgabe des Kontiki- Teams ist es, den Kundinnen und Kunden bei der Entscheidung zu helfen, ob sie lieber den Klassiker oder die neuen Expeditionsreisen erleben wollen.

Andreas Minder: Wenn jemand nicht mehr so gut zu Fuss oder körperlich fit ist, würde ich eher zur klassischen Hurtigrute raten, weil bei diesem Programm viele Ausflüge mit dem Bus unternommen werden. Bei den Expeditionsreisen wird man auch mal mit kleineren Booten an Land gehen und es stehen mehr sportliche Aktivitäten auf dem Programm.

zu den Schiffsreisen


Zwei Hurtigrute-Fans im Clinch

Was ist schöner: Die klassische Hurtigrute-Reise oder die neue Expeditionsreise mit Spezialprogramm? Bei dieser Frage scheiden sich die Geister der Kontiki- Spezialisten Annina Ith und Andreas Minder ...

Andreas Minder

Product Manager Polarreisen

Die Tradition in Ehren, aber eigentlich sind das Schiffe für die lokale Bevölkerung und den Transport von Waren. Die neuen Schiffe sind dagegen explizit für Gäste aus aller Welt gedacht. Kein Versorgungsauftrag bestimmt den Fahrplan. Man verpasst nichts und weiss, dass man am nächsten Morgen in einem tollen Fjord vor Anker geht und genügend Zeit für die Ausflüge bleibt. Ausserdem ist immer ein Expeditionsteam an Bord, das Spannendes zu erzählen weiss, sodass diese Reisen sehr informativ sind. Ich war schon auf Expeditionsreisen der Hurtigruten rund um Spitzbergen oder im Westen Grönlands und jedes Mal begeistert.

Annina Ith

Product Managerin Skandinavien

Ich bin ein Fan der klassischen Hurtigrute! Ich werde nie vergessen, wie ich einmal von Tromsø nach Svolvær gereist bin und an Bord mit einem norwegischen Fischer aus Henningsvær geplaudert habe. Auf den Schiffen erlebt man den Alltag der einheimischen Bevölkerung ganz authentisch. Die Hurtigrute ist kein Produkt, das für Touristen lanciert wurde. Im Gegenteil – sie bietet ein rundum echtes norwegisches Lebensgefühl, vom Passagier über die Einrichtung bis zu den feinen und regionalen Zutaten in der Küche. Zudem kann man sich auf der Hurtigrute zurücklehnen und einfach nur geniessen, denn es ist ein entschleunigtes Reisen, ganz nach dem Motto: Der Weg ist das Ziel.

Team Ith oder Team Minder? Wofür schlägt Ihr Reiseherz? Wir freuen uns über ein kurzes Statement an marketing@STOP-SPAM.kontiki.ch.

nach oben