Wissen - Baltikum

Bernstein

Für immer gefangen

Mitten im Leben traf klebriges Baumharz auf zwei Mücken. Sofort sind sie erstarrt. Dann folgte Schicht für Schicht; aus dem Baumharz wurde Bernstein und aus den Insekten sogenannte Inklusen. Raupen, Ameisen oder in seltenen Fällen auch Pflanzenteile – die Liste der eingeschlossenen Objekte beim baltischen Bernstein umfasst rund 3500 Arten. Zu den Spitzenreitern zählen Insekten und Spinnentiere, selten hingegen sind Skorpione oder Flöhe. Ihr Wert kann bei mehreren Tausend Franken liegen. Er berechnet sich nach der Seltenheit der Tiere, unabhängig von der Grösse des Steins.

Nebst ihrem Sammlerwert sind die eingeschlossenen Tierchen auch für die Wissenschaft relevant. Zwar ist ihr Inneres meist hohl – kein Wunder, nach Millionen von Jahren. Konserviert in Baumharz ermöglichen sie aber einen einzigartigen Anblick. Und manche der Tiere geben Hinweise auf klimatische Veränderungen im Baltikum: So wurden im Bernstein Pflanzenfasern oder Spinnenarten gefunden, die man heute tropischen Regionen zuordnet.

Das Faszinierendste am Bernstein sind seine bunten Farben: Von gelb über grün, blau, rot bis schwarz gibt es alle Varianten. Undurchsichtige Bernsteine in Gelbtönen kommen am häufigsten vor, weiss, rot, blau und grün zählen zu den Raritäten. Das Erscheinungsbild des Bernsteins ist abhängig von eingeschlossenen Luftbläschen, Mineralien oder Pflanzenteilen. Auch Lichtstreuung oder Absorption kann die Farbgebung beeinflussen. Ob rar oder alltäglich: Im grössten Bernsteinmuseum im litauischen Palanga können unzählige Steine bestaunt werden, 4500 Exponate sind ausgestellt, 29000 beherbergt das Museum total. Und wer ein Andenken nach Hause nehmen möchte, muss im Baltikum nicht lange suchen – an beinahe jeder Ecke, auf Strassen, an Märkten und in Souvenirshops gibt es Bernsteine in allen Formen zu kaufen.

Übrigens: So schön der Bernstein auch ist, ihn aufzuspüren kann gefährlich sein. Denn er ist kaum von den getrockneten Phosphorklumpen zu unterscheiden, die man an der Ostseeküste findet. Kommt aber Phosphor an die Luft, entzündet es sich womöglich durch die Körperwärme – gerade für ungeübte Sammler ist Vorsicht geboten.

 

 

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